Die Pierino Ambrosoli Foundation ist im Bereich Tanz und Musik international tätig und unterstützt sehr junge Talente in ihrer beruflichen Ausbildung. Sie besteht seit 1990 und hat bis heute 247 Stipendien an junge Künstler aus 36 Nationen vergeben.

PAF

ART of - Sommerkurs 2017

ART of

Presse

Tages Anzeiger - 8. Juni 2015

RSI - Interview mit Daniela Ambrosoli - 7. Juni 2015

Züriberg - 4. Juni 2015

ZB-2015

La Regione Ticino - Juni 2015

LaRegione-2015

Züritipp - 4. Juni 2015

Zueritipp-2015

Zürcher Hochschule der Künste, ZHdK - Verdankung - 2014

ZHdK-Verdankung-2014

Tages Anzeiger - Die Meisterschülerin - 1. Februar 2014

agesAnzeiger-Febr2014-MiriamPrandi

Danzasi - Interview mit Daniela Ambrosoli - April 2013

Danzasi - Interview mit Daniela Ambrosoli - April 2013

La Libertà (Piacenza) - Interview mit Daniela Ambrosoli - Juni 2007

Intervista a Daniela Marcacci Ambrosoli

Acquista un respiro internazionale la serie di saggi delle scuole di danza cittadine in corso in questi giorni, con la venuta a Piacenza, sabato prossimo, di Daniela Marcacci Ambrosoli, presidente della Pierino Ambrosoli Foundation di Zurigo, nota organizzazione no-profit che da oltre diciassette anni elargisce borse di studio a giovani talenti nel campo della musica e della danza.

Figlia dell’imprenditore Pierino Ambrosoli e della ballerina espressionista tedescaSonja Bragowa, Daniela Marcacci Ambrosoli verrà a Piacenza per assistere al Concerto annuale degli allievi dell’accademia di danza Domenichino da Piacenza diretta da Giuseppina Campolonghi, presso la quale insegna una ex-borsista della Pierino Ambrosoli Foundation, come la stessa Daniela Ambrosoli racconta in questa breve intervista.

Quali sono gli scopi della Fondazione da lei istituita?

Ho creato la Fondazione nel 1990, con l’intento di portare avanti la lunga e fruttuosa attività di mio padre mediante un’operazione di mecenatismo culturale, mettendo a disposizione di giovani talenti di diversa nazionalità nel campo della musica e della danza borse di studio in scuole riconosciute in tutto il mondo. Sento questo compito come un’eredità paterna: mediante l’attività della Fondazione è come se mio padre potesse ancora oggi prodigarsi in favore delle espressioni artistiche della musica e della danza con la stessa energia e lo stesso impegno con cui si è dedicato in vita agli affari.

Cosa la porta a Piacenza?

Il legame iniziato 14 anni fa con la brava ballerina Michela Arcelli, allora allieva della SBBS (Scuola Professionale Svizzera di danza Classica) e nostra borsista. Desidero ammirare di persona l'ottimo lavoro che Michela svolge con la sua scuola di danza.
Dal 1990, anno della sua nascita, la Fondazione Pierino Ambrosoli ha avviato alla carriera 166 giovani artisti. Continua a seguirli tutti personalmente, come dimostra di stare facendo con la piacentina Michela Arcelli?
Come lei ha evidenziato, è una particolarità unica della nostra Fondazione quella di seguire i nostri giovani artisti con un'attenzione personalizzata secondo i bisogni di ognuno. A volte ci è capitato di seguire anche le famiglie dei nostri giovanissimi talenti per aiutarle a superare le difficoltà
di ordine affettivo e psicologico che comporta un soggiorno di studio
del proprio figlio in continenti lontani e sconosciuti. Sì, intrattengo tuttora rapporti molto stretti con parecchi ex-borsisti, dei quali alcuni, dopo una carriera colma di successi sui palcoscenici, oggi hanno intrapreso una seconda carriera o si dedicano alla famiglia.

Lei che frequenta i teatri di tutto il mondo, come giudica oggi la situazione della danza in Italia?

La sua domanda mi mette molto in imbarazzo. Preferisco dirle che molto si potrebbe ancora fare...

 

Caterina Caravaggi - La Libertà - 6 Juni 2007

La Libertà (Piacenza) - Juni 2007

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Zürichbergzeitung - Juli 2005

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tanz - la danse suisse - Aus Liebe zur Kunst - Mai 2000

Aus Liebe zur Kunst

 

Nachforschungen in der Familiengeschichte von Frau Daniela Marcacci Ambrosoli ergaben, dass bereits Anfang des 20. Jahrhunderts ein Mäzenentum auf der mütterlichen Seite der Familie Ambosoli-Knieser (siehe Sonja Bragowa) bestand:
Der Grossonkel von Daniela Marcacci Ambrosoli, Friedrich Hauber, ein erfolgreicher Unternehmer aus Schwäbisch-Gmünd (Süddeutschland) war Liebhaber der schönen Künste und unterstützte die Malerei, Musik und den Tanz.

Auf der wiederentdeckten Radierung des berühmten schwäbischen Malers Reinhold Nägele erkennt man die Person Friedrich Hauber, der selber ein musisch begabter Mensch war, beim musizieren auf dem schönen ex libris.

So lange es Kunst gibt, gibt es Mäzene, die der Überzeugung sind, dass die Kunst der Menschheit nütze, und die bereit und finanzkräftig genug sind, sich dies auch etwas kosten zu lassen. Die Tessinerin Daniela Marcacci Ambrosoli ist eine solche Mäzenin. Mit einem Teil ihres Vermögens hat sie 1990 die Pierino Ambrosoli Foundation gegründet, die in Zürich, an der Kreuzstrasse 78 ansässig ist.

Im Andenken an ihre Eltern, den Geschäftsmann Pierino Ambrosoli, von dem sie Geld geerbt hat, und die Ausdruckstänzerin Sonja Bragowa, der sie die Liebe zum Tanz verdankt, unterstützt Daniela Marcacci Ambrosoli mit ihrer Stiftung vor allem junge, talentierte Tänzer/innen, aber auch Musiker/innen und Filmschaffende.
Die Stiftung vergibt Ausbildungszuschüsse, Produktionsbeiträge; sie bietet eine Beratungsstelle für junge Tänzer/innen und deren Eltern; sie kooperiert mit ausgewählten Schulen, mit anderen Kulturförderungsinstitutionen, mit Theatern und Tanz-Companys; und sie fungiert als Vermittlerin für Auditions, für internationale Jurys und Wettbewerbe. So sponsert sie u.a. Preise für den Prix de Lausanne: 1999 durfte die damals 15-jährige Laetitia Guggi den "Prix du Meilleur Suisse" aus der Stiftungskasse entgegennehmen, 2000 bekam der Russe Sergej Kheilik den von der Pierino Ambrosoli Foundation gestifteten "Prix Espoir" für ein Ausbildungsjahr.

Um einen Ausbildungszuschuss können sich angehende professionelle Tänzer/innen jeder Nationalität im Alter von 15 bis 18 Jahren bei der Stiftung bewerben, vorausgesetzt sie haben bereits eine zufriedenstellende Vorbildung in klassischem Tanz. Von über 100 Gesuchen, die im Jahr eingehen, wählt die Stiftungspräsidentin zusammen mit Experten jährlich acht bis zehn Förderungswürdige aus, die für ein bis zwei Jahre ein Stipendium erhalten in einer der weltweit 15 Schulen, die die Ambrosoli Foundation anerkennt. In der Schweiz werden Schüler/innen der Ecole-atelier Rudra Béjart Lausanne und der Schweizerischen Ballett-Berufsschule SBBS in Zürich unterstützt. Auf Vorschlag der SBBS-Leitung wurde z.B. während der Schuljahre 97/98 und 98/99 die 1983 geborene Finnin Mia Kivelä von der Stiftung gesponsert.

Aber nicht nur die Förderung des klassischen Balletts ist Daniela Marcacci Ambrosoli ein Anliegen, sondern ebenso die des modernen beziehungsweise des zeitgenössischen Tanzes, neben Musik und Film. In Einzelfällen fördert die Stiftung auch junge Menschen in benachbarten Künsten. So erhält die Ostschweizerin Mona Pête dieses Jahr bereits zum zweiten Mal einen Zuschuss für ihre Ausbildung an der Circus-Schule für Artistic in Berlin. Haben die Talente ihre Schulkarriere im engeren Sinne einmal beendet, kommen sie in die praktische Phase der Lehre; für ein Elevenjahr an einem Theater oder bei einer Company werden monatliche Beiträge gewährt. So hat die Stiftung schon einigen ihrer Stipendiat/innen zu einem Engagement bei renommierten Ballett- und Tanztruppen verholfen.

Wenn jemand nicht einfach in einer Compagnie mittanzen, sondern selber etwas auf die Beine stellen will, ist er oder sie in der Regel erst Recht auf einen Mäzen angewiesen. Ein Schweizer Ensemble, das von der Ambrosoli Foundation unterstützt wird, nicht zuletzt weil es Tanz, Artistik und Musik auf innovative Weise miteinander verbindet, ist das Trio Metzger/Zimmermann/de Perrot. Der Erfolg seines Erstlings "Gopf" beweist, dass die Stiftung einen guten Spürsinn für Talente hat. Auch die Westschweizer Compagnies "Nomades" und "Linga" verdanken ihr Fortkommen u.a. der Stiftung.

Neben der Förderung ausgesuchter Personen oder Gruppen ist Daniela Marcacci Ambrosoli auch an der Unterstützung allgemeiner Anliegen der Künste gelegen. So hat sie z.B. mit zur Durchführung der internationalen Konferenz in Toronto und Den Haag beigetragen, die sich im November vergangenen Jahres unter dem Titel "Not Just Any Body" mit der gesundheitlichen Situation der Tänzer/innen und aktuellen Trainings- und Behandlungsmethoden auseinandersetzte. Um die Aktivitäten und Angebote der Stiftung in der Öffentlichkeit transparent und zugänglich zu machen, wurde eine Website eingerichtet, die im Dezember 1999 aufs Netz ging.
Wer noch mehr wissen will, kann also unter www.ambrosoli.org nachsehen und bei Bedarf sogar gleich das Anmeldeformular für ein Schulstipendium herunterladen.

 

Christina Thurner - dance magazine "tanz-la danse suisse" - May 2000

CODARTS magazine - Januar 2006

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Ballett-Moscow - Treffen in der Redaktion - 1997

 

… MIT ELVIRE UND PHILIPPE BRAUNSCHWEIG UND DANIELA MARCACCI

... Zusammen mit Elvire und Philippe Braunschweig besuchte auch ihre Freundin Daniela Marcacci, die Präsidentin der Stiftung "Ambrosoli", die den Wettbewerb "Prix de Lausanne" ständig finanziell unterstützt, die Redaktion. Wir haben unseren Gast ebenfalls gebeten, von ihrer Tätigkeit zu berichten. Im folgenden veröffentlichen wir das Interview, das sie unserer Korrespondentin gewährt hat, in dem noch einmal deutlich gemacht wird, daß Kultur überall herrschen sollte.

- Frau Marcacci, erzählen Sie uns bitte ein wenig über die Stiftung "Ambrosoli".

"Die Stiftung wurde 1990 in der Schweiz, in Zürich gegründet, zur Erinnerung an meine Mutter, die in den Zwanziger Jahren Tänzerin für Ausdruckstanz war. Sie hatte bei Mary Wigman gelernt. Aber die Stiftung selbst ist nach meinem Vater Pierino Ambrosoli benannt, da sie auf der Grundlage der Mittel, die er mir hinterlassen hat, gegründet wurde. Der Künstlername meiner Mutter lautete Sonja Bragowa, obwohl sie von ihrer Herkunft her Deutsche war.

Zunächst bestand das Ziel unserer Stiftung darin, jungen Leuten zu helfen, die verschiedene Richtungen der Kunst zu ihrem Betätigungsfeld gemacht haben. Aber ziemlich bald hat sich unser Augenmerk hauptsächlich auf die Leute konzentriert, die sich dem Ballett verschrieben haben."

- Ihre Tochter hat wohl auch die Ballettkunst zu ihrem Beruf gewählt?

"Ja. Übrigens bin ich durch meine Tochter dem Ballett nähergekommen, da ich gesehen habe, wie sie und ihre Freunde studierten, wie sie lebten. Und ich habe die Überzeugung gewonnen, daß meine Tochter zwar alles hatte, was sie für ihr Studium benötigte, viele ihrer Mitschüler jedoch mussten all dies entbehren.

In ihrer Tätigkeit arbeitete die Stiftung mit Elvire und Philippe Braunschweig zusammen. Seit Anfang hat Philippe in unserem Stiftungsrat gearbeitet.

Für den Lausanner Wettbewerb haben wir ein spezielles Stipendium geschaffen: in der Regel übernehmen wir die Auszahlung einer Prämie an den besten Wettbewerbsteilnehmer aus der Schweiz, und zwar zu der Bedingung, daß er wenigstens das Halbfinale erreicht.

Wir treten auch als Sponsoren für moderne Inszenierungen einzelner Balletttruppen in Erscheinung. Bei uns in der Schweiz gibt es beispielsweise eine Truppe, die sich "Nomades" nennt, und in der sich ehemalige Solisten der Truppe von Béjart zusammengefunden haben. Es gibt auch andere Schweizer Truppen, die hauptsächlich im modernen Stil arbeiten, denen wir geholfen haben. Manchmal übernehmen wir die Gage an einen jungen Tänzer, der gerade eben erst bei irgendeiner Truppe angefangen hat."

- Wer kann sich an Ihre Stiftung wenden?

"Jeder, der Hilfe benötigt, kann sich an uns wenden, sogar persönlich, und seine Situation darlegen. Wir wiederum schicken dem Bewerber einen Fragebogen, den er ausfüllen muss, indem er die darin enthaltenen Fragen beantwortet."

- Könnten Sie wohl bitte noch einige Worte über sich selbst sagen?

"Seinerzeit arbeitete ich in der Ultraschallmedizin für Gynäkologie. Nach dem Tode meines Vaters habe ich sein Geschäft geerbt und auch weitergeführt. Es handelte sich hier um eine Handelstätigkeit."

- Wieviele Jahre haben Sie schon mit dem Wettbewerb zu tun?

"Sieben Jahre."

- Frau Marcacci, verschafft Ihnen persönlich diese Arbeit moralische Befriedigung?

"Ich freue mich einfach immens, wenn ich auf der Bühne einen Menschen sehe, dem durch ein Stipendium unserer Stiftung geholfen wurde."

- Sie haben drei Kinder. Was meinen Sie, werden Ihre Kinder Ihre Arbeit fortführen?

"Das hoffe ich sehr. Auch wenn das jetzt schwer zu sagen ist. Aber wir haben folgende Regelung, gemäß der das Geld, das einmal an die Stiftung übergeben worden ist, von niemandem mehr zurückgenommen werden kann. Auch nach meinem Tod wird die Stiftung mit den Mitteln weiterexistieren, die in sie eingezahlt worden sind. Gemäß den Schweizer Gesetzen kann nicht einmal ich der Stiftung Geld entnehmen. ........"

 

[(Das Material wurde von A. Michalewa bearbeitet. Übersetzung aus dem Artikel "Wstretschi w redakzii..." aus dem Russischen ins Deutsche von Wilma Krätz.)]

 

Ballet-Moscow - 1997

Die Stiftung - 1990

Die Pierino Ambrosoli Foundation ist Daniela Marcacci Ambrosolis Vater Pierino Ambrosoli und ihrer Mutter Sonja Bragowa, ehemalige Tänzerin in den zwanziger Jahren des 20.Jahrhunderts, gewidmet.

Die Beweggründe, die hinter einer Stiftung stehen, können verschiedener Natur sein. Oft aber versteckt sich dahinter ein unverwirklichter Traum. Wissenschaftliche Forschung, Hilfe für Bedürftige, und, mehr denn je, der bedrohliche Zustand unseres Planeten bilden sicher legitimen Anlass für ausserordentliche Hilfeleistungen. Neben den grossen, materiellen Problemen der Menschheit gibt es aber immaterielle Werte, die unsere Aufmerksamkeit verdienen.

Vielleicht mehr denn je ist es heute im Zeichen allumfassenden Materialismus nötig, der Kunst in ihrer vielfältigen Erscheinung ihre Bedeutung zurückzugeben. Denn durch die vertiefte Auseinandersetzung mit der Kunst erwacht und reift im Menschen eine Sensibilität, die ihn seelisch erhöht. Musik und Dichtung wurden oft als "Nahrung für die Seele" bezeichnet. Eine Charakterisierung, die Notwendigkeit, die Seele wie den Körper zu nähren, gut beschreibt.

Daniela Marcacci Ambrosoli hat diese Notwendigkeit stark empfunden. Deshalb beschloss sie, eine Stiftung zur Förderung von Tanz und Musik, die ihr besonders am Herzen liegen, ins Leben zu rufen. Die Stiftung geht nicht auf den testamentarischen Willen von PIERINO AMBROSOLI zurück. Sie entstand vielmehr auf Wunsch einer jungen Frau, die beschloss, einen beträchtlichen Teil ihres vom Vater geerbten Vermögens dazu zu verwenden, junge Künstler auf dem Weg zur Bühne zu unterstützen. So entstand die Pierino Ambrosoli Foundation am 10. Mai 1990 in Zürich.

Die Stiftung wird einzelnen Künstlern und Organisationen über die unvermeidlichen Anfangsschwierigkeiten hinweghelfen. Der Stiftungsrat und das Organisationsteam wird die Bewerber auf ihre Eignung prüfen. Als einzige Voraussetzung für ein Gesuch gilt, dass die Bewerberin oder der Bewerber die künstlerische Tätigkeit für die sie oder er ein Stipendium beantragt, ausgeübt haben muss. Die Eignung der Bewerber wird mit Hilfe stiftungsexterner Fachleute überprüft.

 

Cristina Foglia 1990

Das Buch - Kulturstiftung Pierino Ambrosoli

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Vorwort

Nach dem Willen der Gründerin, Frau Daniela Ambrosoli, soll die Kulturstiftung, die den Namen ihres Vaters trägt, in gewisser Hinsicht die lange und fruchtbare Arbeit von Pierino Ambrosoli fortsetzen. Diese Fortsetzung findet jedoch ihren Niederschlag nicht in gewinnorientierten Handlungen. Das Ziel der Stiftung Pierino Ambrosoli besteht vielmehr darin, mit dem Daniela Ambrosoli von ihrem Vater hinterlassenen Vermögen jungen Menschen, die Kunstrichtungen wie Musik und Tanz eingeschlagen haben, unter die Arme zu greifen. Daniela Ambrosoli empfindet diese Verwendung ihres Vermögens als moralisches Erbe. Pierino Ambrosolis Aufmerksamkeit und seine Tatkraft, die er zeitlebens auf den Erwerb richtete, kommen derart gleichsam den verschiedenen Ausdrucksformen künstlerischen Schaffens zugute.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass der Entscheid, Mittel für Musik und Tanz aufzuwenden, an Erfahrungen anknüpft, die eng verbunden sind mit der Geschichte Asconas, dem Bürgerort Pierino Ambrosolis. Vor allem der moderne Tanz in seinen neueren Ausdrucksformen hat tiefe Wurzeln in den von den Pionieren des Monte Verità gelebten Erfahrungen. An den Hängen dieses Hügels, in der Blüte einer «alternativen» Kultur, nahmen in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts jene Strömungen Form an, die dann zum modernen Tanz führten. Harald Szeemann bemerkt dazu in seinem Buch, das den menschlichen und künstlerischen Reichtum der Gemeinschaften des Monte Verità beschreibt: «Mit Rudolf von Laban und seinen Schülerinnen Mary Wigman, Katja Wulff, Suzanne Perrottet wurde der Monte Verità zu einer Hochburg der Körperreform, des natürlichen Ausdruckstanzes (1913), der 1927 nach der Errichtung des Teatro San Materno für die Tänzerin Charlotte Bara in Ascona ein eigenes Haus erhielt.»

Als Beweis für die stimulierenden Impulse, die die Bewegungsschule in Ascona fand, ist ausserdem zu lesen:
«Der Tanz suchte vielleicht mehr als alle anderen Kunstformen neue Wege auf Monte Verità hauptsächlich durch die zeitweilige oder ständige Anwesenheit von Persönlichkeiten wie Isadora Duncan, Mary Wigman, Rudolf von Laban, später Charlotte Bara und durch den Einfluss der Rhythmik von Dalcroze».

In jenen Jahren entstanden die Elemente jenes antiakademischen Tanzes, die dann im sogenannten modernen Tanz aufblühten und von der grossartigen Martha Graham zu vollendetem Ausdruck gebracht wurden. Es bestehen heute zahlreiche Tanzschulen, die aus den Lehren der Graham das ABC des modernen Tanzes gemacht haben.

Es ist also kein Zufall, dass der Tanz die Aufmerksamkeit von Daniela Ambrosoli gefunden hat. Als Kind hörte sie die Leute des Dorfes noch häufig mit einer Mischung aus Ironie und Lokalkolorit vom Geschehen auf dem Monte Verità erzählen. Die Aufmerksamkeit, die Daniela Ambrosoli dem modernen Tanz widmet, ist indessen auch auf einen erblichen Faktor zurückzuführen. In jungen Jahren hatte ihre Mutter Sonja die Gelegenheit, in der Gruppe von Mary Wigman zu tanzen. Diese hatte sich in Dresden niedergelassen und eine Tanzschule gegründet, die vielleicht das wichtigste Zentrum des freien Tanzes der Nachkriegszeit bildete.

Die Gründung der Kulturstiftung Pierino Ambrosoli und ihre Zielsetzung sind kein Zufall; sie verdanken sich den oben erwähnten Elementen. Das finanzielle und moralische Erbe, das Daniela Ambrosoli angetreten hat, liess sie Wirklichkeit werden.

Von den Nähmaschinen zum «Jeep»

Es ist ein gewisses Risiko über eine Person zu sprechen, nach der eine wohltätige Stiftung benannt wurde. Man verfällt leicht in eine Belobigung der Person wie dies in Abdankungen Hingeschiedener geschieht oder zeichnet ein einseitiges Bild, indem man nur auf die berufliche, politische oder familiäre Seiten der Persönlichkeit eingeht. Tatsächlich aber lebt kaum jemand nur für eine einzige Sache. Pierino Ambrosoli hat wie andere Sterbliche für die Arbeit, die in seinem Leben einen hohen Stellenwert besass, für seine Familie und für seine Freunde gelebt. Er beteiligte sich kurze Zeit aktiv an der Politik und war als Förderer des Sports insbesondere des Locarneser Fussballs bekannt.

Zu seiner Zeit war Pierino Ambrosoli eine Persönlichkeit, ein willensstarker Mann mit bedeutenden unternehmerischen Fähigkeiten. Er verkörperte das Bild des «self-made man», des auf sein Können bauenden Geschäftsmannes, der mit Entschlossenheit mutige Entscheide trifft.

Seine Figur ist eine an die Epoche zwischen den beiden Weltkriegen gebundene Erscheinung. Für Leute, welche die Gelegenheit ergriffen - ohne die Not anderer auszunützen -, war dies ein günstiger Moment. Pierino Ambrosoli war ein Mann, dessen Geschichte eng mit einem Symbol der Moderne verbunden ist: Dem Automobil.

Pierino gehörte der dritten in Locarno ansässigen Generation der Ambrosoli an. Sein Grossvater Pietro kam aus der nahen Lombardei im Zusammenhang mit einem Unglück, das in den Jahrbüchern der Region beschrieben ist. Beim langwierigen Wiederaufbau der Stiftskirche Sant'Antonio, deren Dachstock eingestürzt war, fand er Arbeit. 1912 wurde Pietro Ambrosoli eingebürgert und danach ins Patriziat von Verscio aufgenommen. Pierino wurde im Mai 1905 als zweites von drei Kindern jenes Enrico Ambrosoli, der zusammen mit dem Bruder eine Mechanikerwerkstatt an der Piazza Grande führte, geboren. Eine Werkstatt die als Wahrzeichen einer Lebensweise erscheint, der man heute, zu recht oder unrecht, nachtrauert. Die Fotos aus jener Zeit haben sie auf der leeren, unwirklich gross erscheinenden Piazza verewigt. Über der Tür hängt ein Schild das die Reparatur von Fahrrädern und Nähmaschinen anpreist. Eine Anzeige aus jener Zeit fordert zum Kauf des berühmten Fahrrades Peugeot, «das Beste und Bevorzugte», auf. Neben der Zeichnung eines Bilderbuchfranzosen auf Fahrrad, mit Mütze, gestreiftem Leibchen und buschigem Schnurrbart geben die Gebrüder Ambrosoli bekannt, dass in ihren Magazinen in Lugano und Locarno eine grosse Auswahl von Zweirädern auf Käufer warte. In den Werkstätten würden ausserdem Reparaturen ausgeführt, Öl und Benzin sowie Näh- und Schreibmaschinen verkauft und Automobile vermietet.

Auto und Nähmaschine bilden ein Begriffspaar, das heute eigenartig anmutet. Damals aber hatte man nicht die Gewohnheit, sich zu spezialisieren. Je vielseitiger die Geschäfte, desto grösser der Erfolg.

Die Leidenschaft für motorisierte Vierräder hatte Enrico Ambrosoli schon lange gepackt. Schon 1898 besass er das vielleicht erste Automobil in Locarno. Später war er auch der erste Fahrprüfungsexperte der Region und angehende Fahrzeuglenker mussten sich an ihn wenden, um den Führerschein zu erhalten. Enrico Ambrosoli war ein umsichtiger Mann und wusste um die Bedeutung einer guten Ausbildung für seine Kinder. Nachdem sie das Gymnasium in Locarno besucht hatten, wurden Pierino, sein Bruder Giannetto und später auch die Schwester Enrica in die Deutschschweiz geschickt. In einem jener berühmten, strengen Internate in Schwyz lernten sie Sprachen. Enrico und seine Ehefrau waren um die solide Ausbildung ihrer Söhne besorgt um den Fortbestand des Familienunternehmens zu sichern. Mit der Verbreitung des Automobils wurde der Handel immer lukrativer.

Die strengen Regeln im Internat jenseits der Alpen und das Studium scheinen den jungen lebhaften Pierino nicht sehr begeistert zu haben. Einmal flüchtete er sogar aus dem Schwyzer Internat. Die Flucht fand indessen schon nach wenigen Stunden ihr Ende. Der Vater, der ihn am frühen Morgen vor der Haustür fand, setzte ihn nach einer strengen Massregelung in den ersten Zug, der durch den Gotthard fuhr. Seine ihrem grösseren Bruder stets zugetane Schwester Enrica beschreibt ihn als brillianten Schüler, trotz seines gelegentlichen Starrsinns. Was er anpackte, gelang ihm.

Nachdem er Sprachen gelernt hatte, folgte das Studium an der Handelsschule in St. Gallen in den Zwanziger Jahren. Nach einem technischen Ingenieurstudium im deutschen Mittweiden schickte der Vater die beiden Brüder schliesslich für zwei Jahre nach Paris. Dies nicht, um die Luft der Bohème zu schnuppern oder die Kreise der künstlerischen Avantgarde auszukundschaften - Enrico Ambrosoli war ein praktischer Mann - sondern um in der Garage Saint Augustin Erfahrungen zu sammeln. An dieser Garage hatte Enrico Ambrosoli eine Beteiligung, zusammen mit einem andern Locarneser, einem gewissen Pedrazzini, der nach Paris ausgewandert war.

Im Jahre 1929, zu Beginn der grossen Krise kehrten Pierino und sein Bruder und lebenslanger Geschäftspartner Giannetto nach Locarno zurück. Zusammen übernahmen sie das Zepter in der Mechanikerwerkstatt an der Piazza Grande, die sich unterdessen zu einer veritablen Garage entwickelt hatte.

Bei einem seiner kurzen Heimaufenthalte während seiner Pariser Zeit machte Pierino Ambrosoli eine wichtige sentimentale Begegnung, er traf die Frau, die er wenige Jahre später heiraten sollte. Zu jener Zeit hielt sich eine Tänzerin in Locarno auf, deren Künstlername russisch anmutete. Sonja Bragowa war in Wirklichkeit in Stuttgart geboren. Sie besuchte das Konservatorium, das sie aber verliess, um sich ihrer Leidenschaft, dem Tanz zu widmen. Sie tanzte zunächst unter der Leitung des Direktors der Stuttgarter Oper. In Hamburg entschied sie sich aber für den Modernen Tanz. Der Zufall wollte es, dass eine der Hauptvertreterinnen des Modernen Tanzes, Mary Wigman, die ihre Schule in Dresden hatte, eine Tänzerin für ihre Gruppe suchte. So kam es, dass der Name Sonja Bragowa, ehemalige Schülerin Mary Wigmans, auf dem Spielplan und in den Zeitungsrezensionen jener Zeit erschien. Nach zwei intensiven Jahren mit der Gruppe der Wigman entschied sie sich für einen anderen Genre: die grosse Revue, die damals Furore machte - ein musikalisches Festival mit extravaganten Kostümen. Sie arbeitete auch im «Wintergarten», im Programm Teddy Stauffers, das im bekannten Berliner Theater ein ganzes Jahr auf dem Spielplan stand. Mit Teddy Stauffer unternahm sie eine lange Tournee durch Italien, wo sie auch Gelegenheit hatte mit Wanda Osiris, der beliebtesten Soubrette jener Zeit zu arbeiten. Wann immer es möglich war, begab sich Pierino Ambrosoli dorthin, wo Sonja auftrat. Eines Tages schlug er ihr vor, die Bühne zu verlassen und ihn zu heiraten. Eigentlich hatte sie davon geträumt, nach Deutschland zurückzukehren und zusammen mit einer Kollegin eine Tanzschule zu eröffnen. Es sollte anders kommen und das Herz gewann die Oberhand über die Karriere. Nur wenige Frauen hätten damals anders entschieden.

Sonja und Pierino Ambrosoli wurden Mann und Frau und das bewegte Leben der Theaterwelt wurde durch die Ruhe von Heim und Herd verdrängt. Das Ehepaar liess sich in Ascona nieder, wo ihre Tochter Daniela geboren wurde.

Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatten die Gebrüder Ambrosoli an der Seefeldstrasse in Zürich eine Zweigstelle für den Verkauf von Autos eröffnet. Diese Tätigkeit stellten sie während des Kriegs ein. Die Armee aber brauchte Fahrzeuge und wandte sich deshalb an die beiden Brüder aus Locarno, welche als Schweizer Vertreter der amerikanischen Dodge 60 Automobile besassen. Sie stellten sie der Armee zur Verfügung, die ihrerseits pro Tag und Fahrzeug eine bestimmte Entschädigung zahlte. Bei Kriegsende wurden die Autos, noch immer in gutem Zustand, an die Garage Ambrosoli zurückgegeben. Der Krieg war eine schwierige Zeit gewesen. Einige wollten nun aber nicht auf das Auto als Statussymbol verzichten und die sechzig Dodge verkauften sich wie warme Semmeln. Die beiden Brüder standen plötzlich vor einer rosigen Zukunft.

1946 eröffneten sie an der St. Peterstrasse den neuen Sitz der Garage. Einen Katzensprung von der zentralen Bahnhofstrasse entfernt, zeigte die neue Niederlassung glänzende «Amerikaner» am Laufmeter. Die Garage wurde zum Sinnbild von Leistungsfähigkeit und Moderne: Keine dunkle Werkstätte mehr sondern grosse, gut beleuchtete Räume und lange Korridore mit Regalen, auf welchen sich die Ersatzteile für alle Modelle in schönster Ordnung aneinanderreihten. Das Unternehmen der Gebrüder Ambrosoli erreichte seine Blüte vor allem dank des Scharfsinns von Pierino Ambrosoli, der sich auf seine «gute Nase» in Geschäftsdingen verlassen konnte. Noch im selben Jahr erhielten die beiden Brüder die Schweizer Alleinvertretung für den Jeep. Dieses Fahrzeug stellte sich in der Folge als ihr eigentlicher Glücksfall heraus. Es stand am Anfang eines grossen Geschäfts mit 30 über die ganze Schweiz verteilten Verkaufsstellen, die in 30 Jahren Alleinvertretung gut 20'000 Jeeps verkauften.

Die starken Fahrzeuge, die kein Gelände aufhielt, kamen per Schiff aus Übersee und wurden auf Frachtkähnen auf dem Rhein nach Basel transportiert. Die Kisten mit den Einzelteilen wurden in einer Werkstatt geöffnet und die Fahrzeuge zusammengesetzt. Die nagelneuen Jeeps wurden dann an die Verkaufsstellen der Gebrüder Ambrosoli in Zürich, Lausanne, Basel, Genf und natürlich Locarno verteilt.

Die Garage St. Peterstrasse beschäftigte bis zu 200 Angestellte. Viele von ihnen blieben lange Jahre im Dienst der Brüder Ambrosoli. Dies war kein Zufall. Viele erinnern sich noch heute an die Verbundenheit Pierino Ambrosolis mit seinen Angestellten. Trotz seines ernsten, beinahe strengen Aussehens machte er sich beliebt durch die Aufmerksamkeit, die er ihren Problemen widmete und durch die Grosszügigkeit, mit der er die Fleissigen belohnte und den Bedürftigen half. Nicht sehr gesprächig und eher zurückhaltend, verkörperte er weniger das Bild eines modernen Managers als dasjenige des Meisters aus vergangener Zeit. Die Angestellten wandten sich mit der Anrede «signor Pierino» an ihn und schauten mit Respekt und einer gewissen Ehrfurcht zu ihm auf. Er hielt auf Pünktlichkeit und liess es sich nicht nehmen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Es war die Regel, dass er um 8 Uhr in den Betrieb kam. Zu seinem wöchentlichen Besuch in Zürich nahm er Freunde aus dem Tessin mit. Die Verbundenheit Pierino Ambrosolis mit dem Tessin, insbesondere mit dem Locarnese, war beinahe sprichwörtlich. Alle, die ihm nahestanden, wussten, wie ungern er reiste. Die Ausnahme bildete der Urlaub, den er sich im Lido von Venedig oder in Monte Carlo leistete. Man wusste, wie sehr er es liebte, sich in Ascona und Locarno in Gesellschaft seiner Freunde im Grotto oder im Restaurant aufzuhalten.

Zwei seiner Ausflüge mit Freunden hatten ein, gelinde gesagt, abenteuerliches Ende. Diejenigen, die sie miterlebten erinnern sich noch bestens. Fedele Cavalli, sein langjähriger Mitarbeiter erzählt noch heute von jenem Winterabend im Jahre 1941, als sie mit einem «Willys» unterwegs waren, der, wie vorgeschrieben, mit verdunkelten Lichtern fuhr. Das Auto kam von der schlecht begrenzten Strasse ab und endete kopfüber im Morast der Saleggi. Alle vier Passagiere sassen, durch und durch mit Benzin getränkt, darin fest. Ein anderes Mal stürzte das Auto auf dem Rückweg von den Monti über den Strassenrand und blieb auf den Pfählen eines Rebbergs stecken; wunderbarerweise wurde niemand verletzt.

Pierino Ambrosoli war kein grosser Sportler. Er liebte es sehr, auf dem Gelände der Saleggi zu jagen, wo es damals von Kleinwild wimmelte. Auch dies waren gesellige Gelegenheiten und mit einem gemeinsamen Abendessen unter Freunden wurde der Abend in Fröhlichkeit beschlossen. Seine Verbundenheit mit der Heimat drückte er auch aus, indem er Projekte von öffentlichem Interesse unterstützte: Eine Schenkung an das Spital «La Carità», ein Stipendium zugunsten der Tessiner Jugend. Viele werden sich noch an den Eifer erinnern, mit dem er den Fussballklub Locarno sponserte und den Bau der Tribüne des Stadions Lido forderte. Im Jahre 1948 sass er für kurze Zeit als Mitglied der freisinnigen Partei im Gemeinderat von Ascona. Entscheidend war auch seine Unterstützung für die Unione Sportiva Ascona.

Pierino Ambrosoli dachte nie ernsthaft daran, das Locarnese zu verlassen. Dem unmittelbar nach dem Krieg unternommenen Versuch, nach Zürich zu ziehen, war nur kurze Dauer beschieden, obwohl seine Frau die Atmosphäre der zu jener Zeit vor Leben pulsierenden Limmatstadt sehr liebte. Pierino Ambrosoli verspürte Heimweh und beschloss, nach kurzem Aufenthalt, ins Tessin zurückzukehren.

Der Handel mit Autos und Jeeps florierte. Pierino Ambrosoli aber war nicht der Typ, der sich auf Lorbeeren ausruhte. In den fünfziger Jahren beschloss er, die Gewinne der Firma im Immobiliensektor zu investieren. Mit seinem Spürsinn hatte er bereits vorher einzelne Gelegenheiten beim Schopf gepackt. Das Landgut Tonascia, die heutigen Terreni alla Maggia, ein Landwirtschaftsbetrieb in Schwierigkeiten, hatte Pierino Ambrosoli gekauft und innert 24 Stunden an Giuseppe Rampazzi weiterverkauft. Vorsorglicherweise hatte er in den schwierigen Kriegsjahren eine kleine landwirtschaftliche Genossenschaft gegründet, um dem Mangel an Getreide und andern Lebensmitteln entgegenzuwirken. Zu den Blitzgeschäften, an die sich seine ehemaligen Mitarbeiter noch heute erinnern, gehörte auch der Kauf des Hotel Metropole in Locarno. Das Hotel, so erinnert sich seine rechte Hand Renato Perucchi, rühmte sich eines wunderbaren wasserbetriebenen Aufzuges. Diese ehemalige Perle der Locarneser Hotellerie befand sich dort, wo heute das Kaufhaus Jelmoli steht. Es war Pierino Ambrosolis zweiter Immobilienkauf in der Stadt; bereits vorher hatte er die Garage San Galli an der Via Luini, heute Moto Maggetti, erworben. Er behielt das Hotel ungefähr zwei Jahre, um es dann in andere Hände zu geben. Diesen Verkauf bereute er beinahe sofort und versuchte vergeblich, wieder in den Besitz des Hotels zu gelangen. Der eigentliche Einstieg ins Immobiliengeschäft erfolgte nun in den fünfziger Jahren, als die Gebrüder Ambrosoli die Tätigkeit vom Locarnese nach Zürich ausdehnten. In der Limmatstadt bauten sie Gewerbe- und Wohnhäuser und kauften Grundstücke. Das Geschäft mit Immobilien gedieh auch in Locarno und Ascona mit dem Bau zahlreicher Wohnhäuser. Im Jahre 1968 wurden der Immobilien- und der Automobilbereich getrennt.

Die Gebrüder Ambrosoli liessen es sich nicht nehmen, sich auch in den Tourismus vorzuwagen, zu dem das Locarnese geradezu berufen scheint. Vielleicht aus Ärger über den Verkauf des Hotel Metropol, sicher aber auch weil seine Spürnase fürs Geschäft ihm diese Richtung wies, begann Pierino Ambrosoli Hotels zu bauen. Zuerst entstand das Hotel Delta rechts der Maggia, dann das Hotel Eden Roc an der Seepromenade von Ascona.

Als unermüdlicher Mensch mit ständig neuen Ideen nahm Pierino Ambrosoli die Herausforderung des Neuen an. Er liebte es in verschiedenen Bereichen tätig zu sein. Nach dem Kauf eines grossen Landstücks auf der linken Seite der Maggiamündung begann er, Kies zu fördern. Später widmete er sich der Hotellerie und gab den Kiesabbau auf. Er kümmerte sich intensiv um den eigenen Campingplatz Delta, der 1957 von Renato Perucchi gegründet worden war und seit 1981 von Alberto Battiston geführt wird. Diese zwei Personen, deren Leben eng mit der Familie Ambrosoli verbunden ist, arbeiteten beide je beinahe fünfzig Jahre im Dienste der Ambrosolis.

Inhaberin des Campingplatzes ist heute die Tochter von Pierino Ambrosoli, Daniela, die zusammen mit ihrem Ehemann Franz Marcacci dem Betrieb entscheidende neue Impulse verliehen hat. Die umweltfreundliche Sanierung der Umgebung, die Errichtung von Erholungsraum und Kultureinrichtungen wie das Amphitheater auf dem See sowie die sorgfältige Betriebsführung haben aus dem Camping Delta einen der bekanntesten Europas gemacht. Seit 1999 wird Camping Delta in vierter Generation von Daniela Ambrosoli’s Sohn, Mila Merker, geführt.

Kehren wir in die siebziger Jahre zurück. Für Pierino Ambrosoli, der sich bisher bester Gesundheit erfreute, beginnt ein unerbittlicher körperlicher Zerfall. Die Krankheit nistet sich in seinen Organismus ein. Pierino Ambrosoli leistet ihr mit dem ihm eigenen starken Willen Widerstand, aber seine Nächsten müssen zusehen, wie seine ehemals unauslöschlich erscheinende Energie langsam zu schwinden beginnt. Die bewusste und klare Art, mit der er die Therapie angeht, trägt ihm auch in dieser Lage Respekt und Bewunderung ein. Im Verlaufe der Krankheit wächst seine Würde mit dem Willen, der Realität - und sei sie noch so bitter - ins Gesicht zu blicken. Pierino Ambrosoli stirbt am 17. März 1975 im Alter von 70 Jahren an einem Tumor. Er hinterlässt den Bruder Giannetto, seinen getreuen Geschäftspartner, seine zweite Frau Thildy und die Tochter Barbara, die erstgeborene Tochter Daniela und ihre Mutter Sonja, die Schwester Enrica mit den Neffen Brunella, Giampiero und Enrico.

Daniela Ambrosoli will mit der «Kulturstiftung Pierino Ambrosoli» an die Person ihres Vaters erinnern, dank dessen Werk sie sich einen langersehnten Wunsch erfüllen kann. Gleichzeitig möchte sie die Grosszügigkeit, die das ganze Leben von Pierino Ambrosoli gekennzeichnet hat, wieder aufleben lassen.